Gewalt gegen zivilgesellschaftliche Gruppen erreicht 2025 traurigen Rekord in Deutschland
Xaver Dussen vanGewalt gegen zivilgesellschaftliche Gruppen erreicht 2025 traurigen Rekord in Deutschland
Angriffe auf zivilgesellschaftliche Gruppen in Deutschland nehmen 2025 drastisch zu
2025 verzeichnete Deutschland 112 gewalttätige Übergriffe auf zivilgesellschaftliche Initiativen – im Schnitt fast einen alle drei Tage. Besonders betroffen waren Jugendzentren, LGBTQ+-Einrichtungen und demokratiefördernde Projekte, vor allem in den östlichen Bundesländern. Die zunehmende Feindseligkeit setzt Aktivist:innen und Organisationen unter Druck, während die politische Spannungslage eskaliert.
Die Amadeu Antonio Stiftung dokumentierte die Welle der Gewalt und stellte fest, dass die Hälfte der Vorfälle in Ostdeutschland stattfand. Zu den schwerwiegendsten Fällen zählte ein Brandanschlag auf das Rainbow Center in Cottbus, nur Tage vor den dortigen Christopher Street Day-Feierlichkeiten. In Hannover wurde ein autonomes Jugendzentrum mit Buttersäure beschmiert, während rechtsextreme Gruppen ihre Drohungen gegen Engagierte weiter verschärften.
Bastian Drumm, Sozialarbeiter im rheinland-pfälzischen Kusel, erlebt seit Monaten gezielte Schikanen. Seine Kontaktstelle Holler erhielt Hassbriefe, Todesdrohungen und extremistische Aufkleber. Das Zentrum organisiert jährlich das Festival "Keine Toleranz für Nazis" – ein häufiges Ziel rechtsextremer Anfeindungen.
Auch politische Entscheidungen verschärfen die Lage: Die AfD-Fraktion in Riesa forderte, dass Jugendliche in Jugendzentren namentlich und mit Adresse erfasst werden. Gleichzeitig kündigte Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) eine Neuausrichtung des Förderprogramms "Demokratie leben!" an, wodurch 200 Projekte um ihre Zukunft bangen. Drumm kritisiert die Regierungspolitik scharf: "Demokratieverteidiger:innen dürfen nicht als Extremist:innen gebrandmarkt werden."
Expert:innen erkennen ein besorgniserregendes Muster: Während die AfD Ziele markiert, greifen andere rechtsextreme Akteure zunehmend zu physischer Gewalt.
Die eskalierende Gewalt konfrontiert zivilgesellschaftliche Gruppen mit einer doppelten Bedrohung – durch direkte Angriffe und politische Gegenwind. Angesichts unsicherer Fördergelder und wachsender Forderungen der Rechten müssen Einrichtungen wie Drumms Kontaktstelle Holler in einem immer feindseligeren Klima agieren. Die Zahlen von 2025 belegen: Besonders in Regionen mit hoher extremistischer Aktivität verschärft sich die Lage zusehends.






