Humboldt Forum: Zwischen koloniale Kritik und kulturellen Visionen
Das Humboldt Forum in Berlin beherbergt heute das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst. Trotz seines ehrgeizigen Kulturprogramms steht der Bau seit seiner Eröffnung in der Kritik. Viele empfinden ihn als abgehoben von der Stadt und belastet durch seine koloniale Vergangenheit.
Finanziert von vermögenden rechtspopulistischen Spendern, sollte das Forum preußischen Glanz ausstrahlen. Doch seine Architektur – mit flughafenhaften Rolltreppen und endlosen Betongängen – überlagert oft die Veranstaltungen im Inneren. Die Besucherzahlen lagen im vergangenen Jahr bei rund 634.000, weit entfernt von den 13 Millionen des Louvre.
Das Programm des Forums setzt sich häufig mit drängenden Themen wie dem Schwinden der Demokratie oder globaler Ungerechtigkeit auseinander. Ein Höhepunkt war Sarah Ama Duahs Performance to build to bury to remember, die Objekte als lebendige Körper inszenierte und koloniale Perspektiven hinterfragte. Solche künstlerischen Provokationen haben Debatten über Restitution und den Umgang mit Raubkunst entfacht.
Doch trotz aller kulturellen Ambitionen kann sich das Humboldt Forum von seinem umstrittenen Image nicht befreien. Kritiker werfen ihm vor, eher wie ein Palast als wie ein öffentlicher Raum zu wirken – zu sehr verhaftet in alten Machtstrukturen, zu weit entfernt vom heutigen Berlin.
Unbestritten hat das Humboldt Forum die Diskussionen über koloniale Gewalt und die Ethik von Museumssammlungen beschleunigt. Seine Ausstellungen und Performances stoßen weiterhin auf Interesse, während Architektur und Finanzierung weiterhin für Streit sorgen. Die Zukunft der Institution wird davon abhängen, ob es gelingt, die große Vision mit den Erwartungen einer sich wandelnden Stadt in Einklang zu bringen.
