Warum Deutschlands Atomausstieg 2011 die Stromexporte überraschend steigerte
Marijan MangoldWarum Deutschlands Atomausstieg 2011 die Stromexporte überraschend steigerte
Deutschlands überstürzter Atomausstieg im März 2011 weckte Befürchtungen vor Energieengpässen und einer größeren Abhängigkeit von Stromimporten. Kritiker warnten, die Abschaltung der Reaktoren werde das Land zwingen, vermehrt Elektrizität aus dem Ausland zu beziehen. Doch trotz der Stilllegungen stiegen Deutschlands Stromexporte in den folgenden Jahren sogar an.
In der Woche nach der Fukushima-Katastrophe schaltete Deutschland fast die Hälfte seiner Atomkraftkapazitäten ab. Der Schritt war Teil eines umfassenden Plans, vollständig aus der Kernenergie auszusteigen. Daten aus dem Stromhandel zeigten jedoch keinen sofortigen Rückgang des Atomstroms, der ins Land floss.
Noch vor den Abschaltungen hatten Energieanalysten des Unternehmens Montel bereits ein Überangebot an Erzeugungskapazitäten in Deutschland festgestellt. Selbst mit weniger aktiven Reaktoren blieb das Land 2011, 2012 und 2013 ein Netto-Stromexporteur. Nach dem Atomausstieg stiegen die Exporte weiter an – entgegen den Erwartungen eines Versorgungsengpasses.
Berichte aus dem Jahr 2011, darunter ein Artikel im Spiegel, behaupteten, Deutschland beziehe heimlich Atomstrom aus dem Ausland. Allein die Tschechische Republik lieferte täglich rund 1,2 Gigawattstunden Elektrizität nach Deutschland. Doch Atomkraftwerke laufen in der Regel mit voller Leistung und können ihre Produktion nicht kurzfristig an eine plötzliche Nachfrage anpassen. Eine groß angelegte Steigerung der Exporte war daher unwahrscheinlich.
Österreich verschärfte 2013 seine Haltung und kündigte ein Verbot aller Atomstromimporte ab 2015 an. Die Entscheidung spiegelte die wachsenden Bedenken gegenüber grenzüberschreitenden Energieflüssen wider, die durch den deutschen Kurswechsel ausgelöst worden waren.
Der deutsche Atomausstieg führte nicht zu dem prognostizierten Anstieg an importiertem Kernstrom. Stattdessen hielt das Land seine Stromexporte aufrecht – und steigert sie in den Folgejahren sogar. Die Entwicklung zeigte, wie komplex der Energiemarkt ist, wo Überkapazitäten und die starre Produktion von Atomkraft eine größere Rolle spielten als angenommen.






