Wie Hindenburgs Flaggenverordnung die Weimarer Republik spaltete
Im Mai 1926 eskalierte ein langjähriger Streit um die deutsche Nationalflagge. Reichspräsident Paul von Hindenburg erließ die Zweite Flaggenverordnung in dem Versuch, den Konflikt zwischen den verfeindeten Farbvarianten beizulegen. Doch der Schritt vertiefte nur die Spaltung in der Weimarer Republik, wo die Frage seit Jahren die politischen Lager entzweite.
Die Ursprünge des Flaggenstreits lagen im deutschen Kaiserreich. Die politische Rechte bevorzugte die alten Farben Schwarz-Weiß-Rot des Deutschen Kaiserreichs. Die Linke und die Mitte hingegen unterstützten Schwarz-Rot-Gold – die Farben der Revolution von 1848 und der jungen Weimarer Republik. Bis zur Reichspräsidentenwahl 1925 hatte sich die Spaltung zu zwei gegnerischen Blöcken verfestigt: dem „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ und dem „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“.
Ein Kompromiss der Nationalversammlung aus dem Jahr 1922 hatte versucht, die Gräben zu überbrücken. Die Nationalflagge sollte Schwarz-Rot-Gold tragen, während die Handelsflagge beide Varianten vereinte – Schwarz-Weiß-Rot mit einem kleinen Obereck in den Reichsfarben. Doch die Lösung überzeugte keine der beiden Seiten.
Edwin Redslob, der Reichskunstwart, erhielt den Auftrag, eine einheitliche „Reichsflagge“ zu entwerfen. Trotz unzähliger Entwürfe und eigener Vorschläge gelang es ihm nicht, die Pattsituation zu durchbrechen. Hindenburgs Verordnung von 1926 verfügte schließlich, dass deutsche Vertretungen außerhalb Europas sowohl die Nationalfarben als auch die Handelsflagge hissen sollten. Die Entscheidung war als Zugeständnis an die Rechte gedacht, erfüllte deren Forderungen aber nicht vollständig.
Später versuchte Hindenburg in einem offenen Brief, die Spannungen zu mildern, und forderte eine verfassungsmäßige Lösung des Konflikts. Doch Reichskanzler Hans Luther geriet von beiden Seiten unter Beschuss, sodass der Streit ungelöst blieb.
Die Zweite Flaggenverordnung brachte kaum Befriedung. Deutsche Botschaften und Konsulate außerhalb Europas mussten nun zwei Flaggen führen – doch die politische Spaltung bestand fort. Der Streit um die nationalen Symbole spiegelte weiterhin die tieferen Gräben in der Weimarer Gesellschaft wider.






