Wie Kirchheim unter Teck ein Vorbild-Quartier ohne Höchstgebot schuf
Darko CarstenWie Kirchheim unter Teck ein Vorbild-Quartier ohne Höchstgebot schuf
Ein neues Wohnviertel in Kirchheim unter Teck entstand durch ein ungewöhnliches Auswahlverfahren
Statt das 3,5 Hektar große Grundstück an den Höchstbietenden zu verkaufen, entschied sich die Stadt Kirchheim unter Teck für das überzeugendste Projektkonzept. Das Ergebnis dieses innovativen Ansatzes ist das Steingau-Quartier, in dem heute rund 850 Menschen in 45 Gebäuden leben.
Das westlich der historischen Altstadt gelegene Areal hat sich zu einer lebendigen und gut integrierten Nachbarschaft entwickelt. Zudem wurde ein unabhängiges Quartiersnetzwerk gegründet, das gemeinsame Flächen verwaltet und als Schnittstelle zu den lokalen Behörden fungiert.
Den Anfang machte die Stadt mit der Festlegung fairer Bodenpreise durch unabhängige Gutachten. Dies ermöglichte ein transparentes und inklusives Auswahlverfahren, an dem sich eine breite Palette von Bewerbern beteiligen konnte. Das Interesse an den Grundstücken war groß – die Nachfrage überstieg das Angebot um das Dreifache.
Es folgte eine transparente Vorprüfungsphase, in der die eingereichten Entwürfe nach klaren Kriterien bewertet wurden. Statt einer einfachen Versteigerung erfolgte die Entscheidung in einem diskursiven Prozess, ähnlich einer Juryberatung. Regelmäßige Fortschrittskontrollen stellten sicher, dass Qualität und zentrale Zusagen erfüllt wurden, bevor ein Verkauf abgeschlossen wurde.
Das siegreiche Projekt übernahm über den Bau hinaus zusätzliche Verantwortungen: Dazu gehörten der Bau einer gemeinsamen Tiefgarage sowie die Koordination übergreifender Aufgaben innerhalb der zugewiesenen Zone. Der konzeptbasierte Vergabeprozess setzte auf klare Kommunikation, realistische Zeitpläne und definierte Rollen, um eine reibungslose Umsetzung zu gewährleisten.
Um den langfristigen Zusammenhalt im Viertel zu stärken, entstand ein unabhängiges Nachbarschaftsnetzwerk. Es organisiert gemeinsame Aktivitäten, verwaltet Gemeinschaftsflächen und dient als Bindglied zwischen Anwohnern und Stadtrat.
Das Steingau-Quartier gilt heute als Vorbild für alternative Verfahren der Grundstücksvergabe. Indem die Stadt Projektqualität über finanzielle Gebote stellte, entstand ein vielfältiges und durchdachtes Wohnviertel. Der Erfolg des Projekts beruhte auf einer strukturierten Bewertung, klaren Verantwortlichkeiten und kontinuierlicher Bürgerbeteiligung.






