Anna Netrebkos umstrittene Rückkehr an der Berliner Staatsoper löst Jubel und Proteste aus
Marijan MangoldAnna Netrebkos umstrittene Rückkehr an der Berliner Staatsoper löst Jubel und Proteste aus
An der Berliner Staatsoper feierte eine Neuinszenierung von Un ballo in maschera Premiere – mit der Sopranistin Anna Netrebko in der Hauptrolle der Amelia. Die Aufführung erntete sowohl begeisterten Applaus des Publikums als auch Proteste vor dem Opernhaus. Demonstranten schwenkten ukrainische Flaggen und skandierten Parolen gegen die russische Regierung.
Die Premiere von Giuseppe Verdis Oper markierte Netrebkos Rückkehr auf eine große deutsche Bühne. Regisseur Rafael R. Villalobos verlieh der Produktion eine moderne Note, indem er Elemente der queeren Ballroom-Kultur und Bezüge zur AIDS-Krise einwebte.
Draußen versammelten sich etwa 50 Protestierende, die Sprüche wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" oder "Russland ist ein Terrorstaat" riefen. Ihre Kundgebung spiegelte die anhaltende Kritik an Netrebko wider, der seit ihrer Rückkehr nach Russland 2021 vorgeworfen wird, dem Kreml nahestehen. Besonders ihre angeblichen Verbindungen zur russischen Führung – darunter eine Geburtstagsfeier im Kreml – lösten Empörung aus, vor allem nach dem Überfall auf die Ukraine 2022. Häuser wie die Semperoper Dresden und die Bayerische Staatsoper sagten daraufhin ihre Auftritte ab, doch ein geplanter Gastauftritt beim Salzburger Festspiel 2024 löste Debatten über eine mögliche Rehabilitation aus.
Im Theater selbst erhielt Netrebko für ihre Darstellung begeisterten Beifall. Auch die Inszenierung wurde für Gesang und Orchesterleistung hochgelobt. Intendantin Elisabeth Sobotka betonte später, Netrebko habe sich öffentlich von Russland distanziert und sei seitdem nicht dorthin zurückgekehrt.
Die Premiere fand trotz der Proteste statt, wobei Netrebkos Auftritt im Saal auf klare Zustimmung stieß. Die Kontroverse zeigt jedoch, wie sehr die politischen Verstrickungen der Sängerin weiterhin für Spannungen sorgen. Die Entscheidung der Staatsoper, sie zu engagieren, spiegelt die gespaltene, aber im Wandel begriffene Haltung in der Kulturszene wider.






