Baden-Württemberg: Gymnasien verlieren Beförderungsstellen an Gemeinschaftsschulen
Xaver Dussen vanBaden-Württemberg: Gymnasien verlieren Beförderungsstellen an Gemeinschaftsschulen
Der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) wirft dem Bildungsministerium des Landes vor, die Beförderungsmöglichkeiten zugunsten von Gemeinschaftsschulen auf Kosten der Gymnasien zu verzerren. Nach Angaben des Verbands verlagert das Ministerium Schlüsselstellen der Besoldungsgruppe A14 um, ohne zusätzliche Mittel oder Planungshilfe bereitzustellen. Diese Praxis untergrabe die Karrierechancen von Gymnasiallehrkräften, die jahrelang auf eine Beförderung gewartet hätten.
Im Mittelpunkt des Streits stehen 1.000 verfügbare A14-Beförderungsstellen in Baden-Württemberg. Ursprünglich waren 700 davon für Gymnasien vorgesehen, doch durch die jüngsten Änderungen im Rahmen der Schulartangleichungspolitik des Ministeriums wurden viele dieser Stellen an Gemeinschaftsschulen übertragen. Bis zum 1. Mai 2026 plant das Ministerium, mehrere hundert A14-Stellen für Lehrkräfte an weiterführenden Schulen zu besetzen – davon entfallen jedoch nur 81 auf Gymnasiallehrkräfte. Berufliche Gymnasien erhalten dagegen 203 Stellen, weitere Beförderungen sind an Gemeinschaftsschulen möglich.
Von der Umverteilung besonders betroffen ist der Regierungsbezirk Karlsruhe, wo die Änderungen das Beförderungskontingent für Gymnasien für ein ganzes Jahr nahezu aufgezehrt haben. Viele Lehrkräfte an diesen Schulen warten seit Jahren auf die Einstufung in die A14-Besoldungsgruppe, die mit höherem Gehalt und mehr Verantwortung verbunden ist. Die Beförderungen werden entweder über jährliche Ausschreibungen oder leistungsbasierte Bewertungen vergeben, entsprechend den Vorgaben der Verwaltungsvorschrift von 2001.
Der PhV BW kritisiert das Vorgehen des Ministeriums als "Budgettrickerei". Die angestrebte Gleichstellung der Beförderungschancen zwischen den Schulformen sei nicht ausreichend finanziert, so der Verband. Stattdessen drohe den Gymnasien eine "systematische Unterfinanzierung", da ihre Stellenkontingente an andere Schularten abgegeben würden.
Durch die neue Politik des Ministeriums sinkt die Zahl der A14-Beförderungen für Gymnasiallehrkräfte – trotz ihrer langjährigen Berechtigung. Mit nur noch 81 verfügbaren Stellen müssen viele von ihnen noch länger auf ihren Karriereaufstieg warten. Die Vorwürfe des PhV BW spiegeln die anhaltenden Spannungen bei der Ressourcenverteilung im baden-württembergischen Bildungssystem wider.