BGH-Urteil könnte Cannabis-Verschreibungen in Deutschland revolutionieren
Darko CarstenBGH-Urteil könnte Cannabis-Verschreibungen in Deutschland revolutionieren
Bundesgerichtshof prüft Fall mit weitreichenden Folgen für medizinisches Cannabis
Der höchste deutsche Zivilgerichtshof, der Bundesgerichtshof (BGH), verhandelt einen Fall, der die Verschreibung und Aufklärung über medizinisches Cannabis grundlegend verändern könnte. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob allgemeine Informationen zu Cannabis-Therapien rechtlich zulässig weitergegeben werden dürfen. Davon betroffen sind vor allem die Geschäftsmodelle von Telemedizin-Plattformen wie Bloomwell und Wellster, die Patienten mit spezialisierten Ärzten vernetzen.
Kern des Streits sind die Verschreibungsregeln und die Informationsweitergabe. Bisher gelten Beipackzettel als rechtlich sichere Quelle für Medikamenteninformationen – doch für medizinisches Cannabis existieren diese nicht. Bei über 1.000 verschiedenen Sorten, die in Deutschland erhältlich sind, sind Patienten und Ärzte oft auf Telemedizin-Plattformen angewiesen, um sich zu orientieren.
Beobachter berichten, der BGH habe sich in der Verhandlung skeptisch gezeigt. Seine Entscheidung könnte darüber entscheiden, ob Unternehmen allgemeine Therapieinformationen bereitstellen dürfen, ohne gegen Verschreibungsgesetze zu verstoßen. Dr. Julian Wichmann, Geschäftsführer von Bloomwell, argumentiert, seine Branche leiste einen wichtigen Beitrag zur Arzneimittelsicherheit und schließe Lücken, die das traditionelle Gesundheitssystem lasse.
Der Zugang zu medizinischem Cannabis bleibt in der Regelversorgung weiterhin begrenzt. Eine aktuelle Umfrage von Bloomwell ergab, dass 63 Prozent der Hausärzte seit April 2024 weniger als sechs Patienten Cannabis verschrieben haben. Die meisten auf Cannabis spezialisierten Ärzte arbeiten ausschließlich über Telemedizin – Plattformen wie Bloomwell sind damit ein zentraler Anlaufpunkt für Behandlungen.
Das Urteil könnte klären, welche Informationen Telemedizin-Anbieter über Cannabis-Therapien rechtmäßig weitergeben dürfen. Zudem könnte es beeinflussen, wie verbreitet medizinisches Cannabis in Deutschland künftig verschrieben wird. Bis dahin bewegen sich Patienten und Ärzte in einem System, in dem die meisten Hausärzte Cannabis-basierte Behandlungen kaum in Betracht ziehen.






