Fuchsjagd in Baden-Württemberg: Warum Naturschützer und Jäger uneins sind
Darko CarstenFuchsjagd in Baden-Württemberg: Warum Naturschützer und Jäger uneins sind
Streit um Fuchsjagd in Baden-Württemberg entfacht neu – Naturschützer widersprechen Jägern
In Baden-Württemberg ist der Streit um die Fuchsjagd wieder aufgeflammt, nachdem die Argumente des Landesjagdverbands infrage gestellt wurden. Die Jäger behaupten, die Bejagung von Füchsen während der Paarungszeit schütze bedrohte Arten wie Rebhühner und Hasen. Doch Naturschützer halten dagegen: Die Daten erzählten eine andere Geschichte.
Die Organisation Wildtier-Schutz Deutschland bezeichnet die Argumentation des Jagdverbands als irreführend und verweist auf Langzeitdaten: Nicht die Fuchsbestände, sondern der Lebensraumverlust sei die eigentliche Bedrohung für die heimische Tierwelt.
Vor 2015 gab es in Baden-Württemberg keine Schonzeit für Füchse. Damals gelang es Jägern nicht, die Bestände bodennistender Vögel wie des Rebhuhns zu stabilisieren. Doch selbst nach der Verlängerung der Jagdzeit im Jahr 2020 konnten keine messbaren Erfolge für den Artenschutz verzeichnet werden.
Die Fuchsbestände in der Region sind in den vergangenen 25 Jahren nicht gestiegen – im Gegenteil: Sie sind rückläufig. Studien zeigen zudem, dass die Bejagung von Raubtieren wie Füchsen kaum Einfluss auf den Bruterfolg bodennistender Vögel hat. Naturschützer betonen, dass nicht die Prädation, sondern die Zerstörung von Lebensräumen der Hauptgrund für den Rückgang von Arten wie Kiebitz, Auerhuhn und Feldhase sei.
Trotzdem drängt der Jagdverband auf eine kürzere Schonzeit für Füchse und behauptet, dies komme bedrohten Arten zugute. Experten entgegnen jedoch, dass wirksamer Artenschutz nicht durch die Dezimierung von Raubtieren, sondern durch die Renaturierung von Flächen gelinge. Schätzungen zufolge müssten 7 bis 10 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen stillgelegt werden, um bedrohten Arten nachhaltig zu helfen.
Die Debatte offenbart den Konflikt zwischen traditioneller Jagdpraxis und wissenschaftsbasiertem Naturschutz. Während Jäger längere Jagdzeiten fordern, belegen Studien, dass Fuchsbestände stabil oder rückläufig sind – und dass der Verlust von Lebensräumen die größte Gefahr darstellt. Ohne gezielte Renaturierung, warnen Naturschützer, werde der Artenschwund trotz Bejagung von Raubtieren weitergehen.






