16 March 2026, 14:21

Chefket-Konzert abgesagt: Wie ein T-Shirt das Berliner Kulturhaus spaltet

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung des Reichshallen Theaters in Berlin, Deutschland, die das Auditorium mit Sitzreihen, Säulen und einer Decke zeigt, mit Text unten.

Chefket-Konzert abgesagt: Wie ein T-Shirt das Berliner Kulturhaus spaltet

Ein geplantes Konzert des schwäbischen Rappers Chefket im Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) wurde nach politischem Druck abrupt abgesagt. Kulturminister Wolfram Weimer griff ein, nachdem der Künstler zum Jahrestag eines Hamas-Angriffs ein T-Shirt mit der Aufschrift "Palästina" getragen hatte – verziert mit arabischer Kalligrafie und einer Umrisskarte Israels. Die Entscheidung löste massive Proteste deutscher Künstler aus und entfachte die Debatte über kulturelle Freiheit neu.

Die Kontroverse trifft das HKW unter der Leitung des kamerunischen Intendanten Bonaventure Soh Bejeng Ndikung zu einer Zeit, in der die Institution wegen ihres "postkolonialen" Programms bereits in der Kritik steht – und gleichzeitig trotz ihrer zentralen Lage in Berlin um bundesweite Anerkennung kämpft.

Auslöser für die Absage war Chefkets Kleidungswahl bei einem öffentlichen Auftritt. Das T-Shirt, das palästinensische Symbole mit den Grenzen Israels verband, zog scharfe Kritik von Weimer auf sich, der argumentierte, der Nahostkonflikt dürfe nicht von "mittelmäßigen deutschen Rappern" als Bühne genutzt werden. Nach dem Eingreifen des Ministers strich das HKW die Veranstaltung – was umgehend eine Welle der Empörung in der Kunstszene auslöste.

Aus Solidarität mit Chefket sagten sämtliche anderen für das HKW gebuchten deutschen Künstler ihre Auftritte ab. Der Boykott wirft die Programmplanung des Hauses durcheinander und beschädigt seinen ohnehin brüchigen internationalen Ruf weiter. Das HKW, einst ein Magnet für internationale Künstler wie den haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil, sieht sich nun Vorwürfen ausgesetzt, politischer Einflussnahme nachzugeben.

Der Vorfall verschärft die bestehenden Spannungen um Ndikungs Führung. Der 2023 berufene Intendant ist der erste Schwarze Leiter einer großen deutschen Kultureinrichtung und setzte mit seinem Fokus auf postkoloniale Perspektiven neue Akzente. Doch sein Kurs stößt bei Traditionalisten auf Widerstand – darunter beim Satiriker Jan Böhmermann, dessen jüngste Ausstellung Die Möglichkeit der Unvernunft gezielt die Diskussion über die Ausrichtung des HKW provozieren sollte.

Trotz seiner Nähe zum Kanzleramt wurde das HKW von der Bundespolitik lange ignoriert. Die Affäre um Chefket rückt es nun ins Rampenlicht – ausgerechnet unter den denkbar ungünstigsten Voraussetzungen.

Die Folgen des abgesagten Konzerts haben das HKW innerhalb der deutschen Kulturszene isoliert. Ohne lokale Künstler, die bereit sind aufzutreten, und mit geschwächter internationaler Reputation muss sich die Institution nun sowohl politischer Überprüfung als auch künstlerischem Widerstand stellen. Der Fall zeigt exemplarisch, wie schwer es ist, in einem öffentlich finanzierten Raum künstlerische Freiheit mit geopolitischen Sensibilitäten in Einklang zu bringen.

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