05 May 2026, 06:31

Dänemarks Apothekenreform scheitert in Deutschland – Experte warnt vor Risiken

Schwarzes und weißes Foto eines alten Apothekeninneren in New Orleans mit Hockern, Tischen mit Flaschen, Glasfenstern auf der rechten Seite und Text oben.

Dänemarks Apothekenreform scheitert in Deutschland – Experte warnt vor Risiken

Dänemarks Apothekenwesen hat seit 2001 tiefgreifende Veränderungen durchlaufen, geprägt von Markliberalisierung und strengeren finanziellen Kontrollen. Diese Reformen haben den Verkauf von Medikamenten und die Abgabepraxis grundlegend umgestaltet. Nun hat ein deutscher Experte untersucht, ob ähnliche Schritte auch in Deutschland funktionieren könnten – mit ernüchterndem Ergebnis.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die Reformen begannen im Jahr 2001 mit dem Ziel, den Apothekenmarkt zu öffnen und die Kosten zu senken. Seither ist die Zahl der Apothekenbesitzer um 20 Prozent gesunken, von 220 auf 176. Gleichzeitig stieg die Gesamtzahl der Filialen deutlich von 76 auf 301 an, wobei 40 kleinere Städte erstmals eine pharmazeutische Anlaufstelle erhielten.

Viele dieser neuen Standorte arbeiten nach einem schlankeren Modell, etwa als reiner Verkaufspunkt für rezeptfreie Medikamente oder als Abholstation für bestellte Arzneimittel. Anders als klassische Apotheken benötigen sie vor Ort lediglich einen Farmakonom – eine Position, die in etwa dem deutschen Pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) entspricht. Zugleich hat der Wettbewerb durch Handelsketten zugenommen, insbesondere im Bereich der nicht verschreibungspflichtigen Präparate.

Die Umstrukturierung führte auch zu einer zunehmenden Konzentration: Während ein Apothekenleiter 2015 noch durchschnittlich 1,95 Standorte verantwortete, waren es 2024 bereits 3,10. Zwar ist die Gesamtzahl der Apotheken gestiegen, doch viele haben ihr Angebot reduziert und konzentrieren sich nun auf grundlegende Rezepturdienstleistungen.

Dr. Claus Pöhlmann hat diese Entwicklungen in seiner Doktorarbeit analysiert und bewertet, ob das dänische Modell auf Deutschland übertragbar wäre. Sein Fazit fällt deutlich aus: Die meisten Reformen Dänemarks würden weder die Qualität noch die Sicherheit des deutschen Apothekenwesens verbessern. Pöhlmann warnt sogar, dass eine Abschaffung des traditionellen deutschen Systems der Präsenzapotheken ein gesundheitspolitisches Versagen darstellen würde.

Die dänischen Erfahrungen zeigen, wie marktgetriebene Reformen das Apothekenwesen verändern können – mit mehr Zugang in manchen Regionen, aber weniger Kontrolle in anderen. Pöhlmanns Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das deutsche System mit seinen strengen Regularien bei ähnlichen Änderungen erhebliche Risiken eingehen würde. Die aktuelle Debatte über eine Apothekenreform steht nun vor der Herausforderung, Kostensenkungen mit der Patientensicherheit in Einklang zu bringen.

Quelle