Grüne verteidigen Macht in Baden-Württemberg trotz leichter Verluste
Xaver Dussen vanGrüne verteidigen Macht in Baden-Württemberg trotz leichter Verluste
Die Grünen haben bei der eng umkämpften Landtagswahl in Baden-Württemberg erneut ihre Position als stärkste Kraft verteidigt. Trotz leichter Verluste bleibt die Partei an der Spitze, wie die Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann bestätigte – sie wird künftig auch die Ministerpräsidentin stellen.
Die Wahlbeteiligung stieg auf 69,6 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit 2016. Die FDP hingegen erlitt schwere Verluste und verfehlte mit 4,4 Prozent klar die Fünf-Prozent-Hürde, die für den Einzug ins Parlament nötig gewesen wäre.
Bei der Landtagswahl 2026 behielten die Grünen zwar ihre dominierende Rolle, verloren jedoch im Vergleich zu 2021 (32,6 Prozent) fast zweieinhalb Prozentpunkte und kamen auf 30,2 Prozent. Haßelmann erklärte den Wahlsieg zum Mandat für eine weitere Regierungszeit und wies einen Vorschlag des CDU-Politikers Jens Spahn zurück, die Amtszeit der Ministerpräsidentin aufzuteilen. Eine solche Lösung sei "unpraktikabel", um die politische Blockade zu überwinden, so Haßelmann.
Die FDP büßte dagegen massiv an Zustimmung ein: Von 10,5 Prozent im Jahr 2021 fiel sie auf nur noch 4,4 Prozent und scheidet damit aus dem Landtag aus. Haßelmann kritisierte den Niedergang der Liberalen und betonte, dass deren einstige Kernthemen – etwa bürgerliche Freiheitsrechte – nun kaum noch vertreten seien. Die Grünen wollten sich gezielt an enttäuschte FDP-Wähler wenden, da man deren Anliegen besser aufgreifen könne, kündigte sie an.
Die Wahlbeteiligung stieg um 5,8 Prozentpunkte auf 69,6 Prozent und nähert sich damit dem Niveau von 2016 an, bleibt aber unter dem Rekordwert von 80 Prozent aus dem Jahr 1972. Die Briefwahl ging deutlich zurück – von 51,3 Prozent (2021) auf 35,8 Prozent –, was auf eine Rückkehr zu den Vor-Corona-Gepflogenheiten hindeutet.
Die Grünen werden nun die nächste Landesregierung bilden. Haßelmann versprach, aus dem Wahlergebnis zu lernen und gezielt ehemalige FDP-Anhänger ansprechen. Mit ihrem Fokus auf liberale Themen könnten die Grünen die politische Landschaft Baden-Württembergs neu prägen. Der Verlust der FDP hinterlässt indes eine Lücke im Landtag. Die Verschiebungen im Wahlverhalten deuten zudem auf veränderte politische Teilhabe seit der Pandemie hin.