Stromnetz am Limit: Warum Solaranlagen in Baden-Württemberg stillgelegt werden
Xaver Dussen vanStromnetz am Limit: Warum Solaranlagen in Baden-Württemberg stillgelegt werden
Deutschlands Stromnetz kämpft mit dem rasanten Ausbau der Erneuerbaren
In Baden-Württemberg führen Verzögerungen beim Netzausbau dazu, dass einige Haushalte mit Solaranlagen ihren Überschussstrom nicht mehr ins Netz einspeisen können. Gleichzeitig bleiben die dringend benötigten Fernleitungen zwischen dem windreichen Nordosten und dem energiehungrigen Süden unvollendet – mit steigenden Kosten für alle Verbraucher.
Hinter dem Problem steckt der stockende Ausbau der Stromtrassen. Der niederländische Netzbetreiber Tennet, zuständig für zentrale Nord-Süd-Verbindungen, leidet unter finanzieller Belastung und politischen Hindernissen. Verzögerte Genehmigungen für Trassenverläufe und Streitigkeiten über die Kostenverteilung zwischen den Bundesländern lassen wichtige Leitungen unfertig. Die Folge: Die EU betrachtet Deutschland nicht mehr als einheitliche Strompreiszone – die Preisscheere zwischen dem günstigeren Norden und dem teureren Süden wird immer deutlicher.
Da Tennet die steigenden Kosten nicht allein tragen kann – oder will –, sucht das Unternehmen nun nach neuen Investoren. Ein Konsortium unter Führung des norwegischen Staatsfonds und des niederländischen Pensionsfonds APG soll bis Mitte September ein verbindliches Angebot für eine Kapitalerhöhung vorlegen. Die Situation veranlasst die Bundesnetzagentur (BNetzA), bei der Genehmigung weiterer Ausbaukosten zurückhaltend zu agieren – um eine weitere Belastung der Verbraucher zu verhindern.
In Baden-Württemberg führt der Engpass dazu, dass manche Solaranlagenbesitzer keine Einspeiseerlaubnis erhalten. Der regionale Anbieter Fairnetz bietet eine Notlösung an: Die Anlagen dürfen zwar weiterlaufen, doch für den gelieferten Strom gibt es keine Vergütung. Die fehlenden Leitungen treiben zudem die Redispatch-Kosten in die Höhe – Kosten, die über die Netzentgelte auf alle Haushalte umgelegt werden.
Die mangelnde Anpassung des Netzes an das Wachstum der Erneuerbaren schafft finanzielle und praktische Probleme. Verbraucher im Süden zahlen höhere Rechnungen und können Solarstrom nur eingeschränkt nutzen, während Tennet weiter nach Investoren sucht. Ohne beschleunigten Ausbau wird sich die Kluft zwischen Energieangebot und -nachfrage voraussichtlich weiter vergrößern.






