Von Herrenschneiderei bis Bolzplatz: Was jetzt zum deutschen Kulturerbe zählt
Xaver Dussen vanVon Herrenschneiderei bis Bolzplatz: Was jetzt zum deutschen Kulturerbe zählt
Deutschland hat mehrere neue Traditionen in seine offizielle Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Die Auswahl, die von Staatsminister für Kultur Wolfram Weimer, der Kultusministerkonferenz und der Deutschen UNESCO-Kommission bekannt gegeben wurde, umfasst alles von Volksfesten bis hin zu handwerklichen Künsten. Doch einige prägende Elemente des deutschen Alltags – wie der Döner Kebab oder lokale Bratwurststände – blieben unerwähnt.
Zu den neu anerkannten Traditionen zählt das seit langem gepflegte Handwerk der Herrenschneiderei, das für seine Präzision und Tradition geschätzt wird. Bei den Volksfesten wurde nun auch die bunte Welt der deutschen Schausteller gewürdigt, die mit ihren lebhaften Auftritten und ihrer historischen Rolle in der Unterhaltungsbranche überzeugen. Weitere Neuzugänge sind traditionelle Fischereimethoden an der Ostsee, das Straßenfußballspiel auf dem Bolzplatz sowie die laternenbeleuchteten Sankt-Martins-Umzüge im Rheinland.
Auch eine skurrile Kleinanzeige aus den 1970er-Jahren mit dem Titel "Junger Mann für Reisen" hat es in den Kanon der Kulturgeschichte geschafft. Was einst eine schlichte Privatannonce war, gilt heute als eigenwilliger, aber bedeutender Teil der deutschen Sozialgeschichte.
Doch Weimers Ansatz zur Bewahrung des kulturellen Erbes sorgt für Diskussionen. Seine Entscheidung, Übersetzungsprojekte palästinensischer Autor:innen aus dem Berliner Hauptstadtkulturfonds auszuschließen, löste Proteste in SPD-geführten Bundesländern aus. Acht Kulturminister:innen und Senator:innen kritisierten den Schritt. Gleichzeitig erhielten linksalternative Buchhandlungen und der ikonische Döner Kebab trotz ihrer tiefen Verwurzelung in der städtischen Kultur Deutschlands keine Anerkennung.
Die aktualisierte Liste umfasst nun 166 Traditionen und spiegelt sowohl jahrhundertealte Handwerkskunst als auch alltagsnahe Bräuche wider. Während einige Neuzugänge Nischenkulturen feiern, zeigen die Auslassungen die anhaltenden Spannungen darüber, was deutsche Kultur ausmacht. Die Entscheidungen werden die Förderung und öffentliche Aufmerksamkeit in den kommenden Jahren prägen.






