Zwei Statuen, zwei Geschichten: Wie Denkmäler an dunkle Vergangenheit erinnern
Carolina LangeZwei Statuen, zwei Geschichten: Wie Denkmäler an dunkle Vergangenheit erinnern
Zwei Statuen, zu unterschiedlichen Zeiten und auf verschiedenen Kontinenten errichtet, stehen als eindringliche Mahnmale dunkler Kapitel der Geschichte. In Brandenburg erinnert eine Figur aus Cortenstahl an das Leid der Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs. Unterdessen wurde 2021 in Washington D.C. eine Statue von Christoph Kolumbus aufgestellt – mitten in einer Phase gesellschaftlicher Unruhen entfachte sie erneut Debatten über das koloniale Erbe.
Die Brandenburger Statue wurde 2018 in der Nähe einer Landstraße am Eingang des Gutes Neuendorf im Sande enthüllt. Gefertigt aus witterungsbeständigem Cortenstahl, thront sie auf einem von Ameisen bedeckten Baumstumpf – ein Symbol für Widerstandsfähigkeit. Das Denkmal ehrt die Menschen, die Anfang der 1940er-Jahre auf dem Gut zur Zwangsarbeit gezwungen wurden, darunter Jutta Baumwol, die später nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde. Ihr Bruder initiierte das Projekt, um ihr Andenken und das anderer Opfer zu bewahren. Jährlich versammeln sich Besucher am Ort – am Holocaust-Gedenktag (27. Januar) und zum Jahrestag der Befreiung (8. Mai), dem Monat, in dem Baumwol 101 Jahre alt geworden wäre.
Auf der anderen Seite des Atlantiks ließ der damalige US-Präsident Donald Trump die Kolumbus-Statue 2021 in der Nähe des Weißen Hauses aufstellen – eine direkte Reaktion auf die Black-Lives-Matter-Proteste, die die kritische Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit Amerikas neu entfacht hatten. Italienisch-amerikanische Organisationen unterstützten den Schritt und deuteten ihn als Verteidigung des kulturellen Erbes. Heute steht die Statue an der Nordseite des Eisenhower Executive Office Building – eine stumme, aber polarisierende Figur in den anhaltenden Debatten über Geschichte und Erinnerung.
Beide Denkmäler sind Orte des Gedenkens, doch ihre Botschaften könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Brandenburger Mahnmal bewahrt die Geschichten von Zwangsarbeiterinnen wie Jutta Baumwol vor dem Vergessen. Die Kolumbus-Statue hingegen bleibt ein Zankapfel in der Frage, wie Nationen ihre gewalttätige Vergangenheit aufarbeiten – oder verdrängen.






