30 April 2026, 04:23

Wie ein 3.000-Einwohner-Dorf Deutschlands schnellstes Internet baute – ganz ohne Telekom-Riesen

Nahaufnahme eines Glasfaserkabels mit blauen und wei├čen Lichtern auf einem schwarzen Hintergrund.

Wie ein 3.000-Einwohner-Dorf Deutschlands schnellstes Internet baute – ganz ohne Telekom-Riesen

Ein kleines Städtchen in Baden-Württemberg hat eines der schnellsten Internetnetze Deutschlands aufgebaut. Hohentengen am Hochrhein bietet seinen Einwohnern und Unternehmen nun Geschwindigkeiten von 1.000 Mbit/s – und das zu üblichen Marktpreisen. Das Projekt nahm seinen Anfang, als Verhandlungen mit großen Telekommunikationsanbietern vor fast zwei Jahrzehnten scheiterten.

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Im Jahr 2006 beschloss Bürgermeister Martin Benz, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Frustriert von gescheiterten Gesprächen mit Telekommunikationsfirmen, trieb er eine kommunale Lösung voran. Das Ergebnis: ein 90 Kilometer langes Glasfasernetz, das heute über 10.000 Kilometer Kabel umfasst.

Die Finanzierung erfolgte größtenteils über Kredite, wobei die Gemeinde knapp 3 Millionen Euro investierte und weitere 465.000 Euro aus eigenen Mitteln beisteuerte. Nach 18 Monaten Wartezeit auf die Bewilligung lehnte die Verwaltung sogar staatliche Fördergelder in Höhe von über 2,25 Millionen Euro ab. Betrieben wird das Netz heute von MOKO, dem kommunalen Kommunikationsbetrieb, und der MKTH GmbH, der dazugehörigen Managementgesellschaft.

Die Verlegung der Leitungen verlief zügig: Täglich wurden 100 Meter Kabel verlegt, und noch am selben Abend waren die Straßen wieder instand gesetzt – Störungen blieben minimal. Heute nutzen 96 Prozent der Haushalte den Dienst und zahlen 69 Euro im Monat für Internet, Telefon und Fernsehen – nicht mehr, als andere Anbieter verlangen.

Der Erfolg des Städtchens hat Aufmerksamkeit erregt: Hohentengen berät nun den Landkreis Waldshut beim Aufbau eines leistungsstarken Glasfaser-Rückgrats.

Das Netz in Hohentengen beweist, dass auch kleine Gemeinden Spitzen-Internet bieten können – ohne auf große Konzerne angewiesen zu sein. Die Einwohner genießen Gigabit-Geschwindigkeiten ohne Aufpreis, während Nachbarregionen das Modell übernehmen wollen. Mit seiner Effizienz und Bezahlbarkeit hat das Projekt neue Maßstäbe für den Breitbandausbau im ländlichen Raum gesetzt.

Quelle