Erlangen verbietet "sexistische" Partyschlager auf dem Bergkirchweih-Fest
Carolina LangeErlangen verbietet "sexistische" Partyschlager auf dem Bergkirchweih-Fest
Die Stadtverwaltung Erlangen hat einen Index „sexistischer“ Partyschlager erstellt, um deren Abspielen beim diesjährigen Bergkirchweih-Volksfest zu entmutigen. Der Schritt folgt einer Beschwerde einer Frau, die im vergangenen Jahr unerwünschte körperliche Berührungen und beleidigende Songtexte gemeldet hatte. Fast eine Million Besucher werden zum Fest erwartet, das die Verantwortlichen nun „besonders frei von Diskriminierung“ gestalten wollen.
Die Entscheidung geht auf eine Prüfung durch die Gleichstellungsbeauftragten der Grünen, Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck, zurück. Sie hatten „problematische Partyschlager“ untersucht, nachdem eine Frau berichtet hatte, von aggressiven Männern „begrapscht“ worden zu sein und sich durch die Musik unwohl gefühlt zu haben. Titel wie Skandal im Sperrbezirk sowie Lieder von Künstlern wie Mickie Krause und Peter Wackel wurden in den Index aufgenommen.
Der Stadtrat hatte bereits 2021 beschlossen, Lieder mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ auf dem Fest zu verurteilen. Nun geht die Verwaltung einen Schritt weiter und ruft Wirte auf, die gelisteten Songs nicht zu spielen. Viele Gastwirte reagieren jedoch skeptisch auf die Idee, bekannte Partyhits zu verbieten.
Einige Musiker kritisieren den Vorstoß scharf. Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, verglich die Situation mit der DDR und argumentierte, selbst das SED-Regime habe nie Zensur von Songtexten gefordert. Peter Wackel, dessen Hit Joana die Zeile Du geile Sau enthält, sagte, immer mehr Künstler hätten „null Bock“, in Deutschland aufzutreten – wegen der wachsenden Empfindlichkeit gegenüber Liedtexten.
Der Index wurde mit den Stimmen von CSU, Linken und SPD beschlossen und spiegelt ein breiteres Bestreben wider, Verhalten und Inhalte bei öffentlichen Veranstaltungen zu thematisieren. Das Bergkirchweih-Fest wird mit den neuen Richtlinien stattfinden. Während die Wirte uneins sind, ob sie sich daran halten, äußern Künstler weiterhin Frust. Die Stadt betont, die Maßnahmen sollten eine sicherere und inklusivere Atmosphäre für alle Besucher schaffen.






