24 June 2026, 20:14

Opernhäuser tauschen Kunst gegen Lifestyle – wie Instagram die Klassik verändert

Die Neue Kitschigkeit

Opernhäuser tauschen Kunst gegen Lifestyle – wie Instagram die Klassik verändert

Europas große Opernhäuser setzen zunehmend auf Instagram, um neues Publikum zu gewinnen – doch ihre Social-Media-Strategien rücken weniger die Kunstform selbst als vielmehr einen bestimmten Lebensstil in den Mittelpunkt. Diese Entwicklung löst Debatten darüber aus, wie klassische Musik heute der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die Wiener Staatsoper setzt auf die Moderatoren Hemma und Jakob, die in ihren Beiträgen erklären, wie man in der Pause Essen bestellt, sich stilvoll kleidet oder welche Benimmregeln im Opernhaus gelten. Ihr Ansatz inszeniert den Opernbesuch eher als geselliges Erlebnis oder kulinarisches Event denn als kulturelles Großereignis.

Ähnlich verhält es sich bei der Festspielhaus Baden-Baden: Auf Instagram werden „Hydrationspausen“ beworben, Drinks wie der „Klassik-Spritz“ angepriesen und After-Show-DJs präsentiert. Junge Influencer vermitteln Dresscodes, Getränkeempfehlungen und „Überlebenstipps“ für den Abend – als ginge es vor allem um Konsum, nicht um Kunst.

Ganz anders die Bayerische Staatsoper: Hier steht die Musik im Fokus. Die Beiträge drehen sich um Komponisten wie Wagner, das Orchester oder philosophische Themen. Stars wie Jonas Kaufmann posieren in Kostümen, während Holger Noltze mit fundierten Analysen die künstlerische Tiefe der Stücke erschließt.

Die Staatsoper Berlin wiederum setzt auf eine andere Tonalität: Viele Posts richten sich an Sponsoren, etwa mit prominent platzierten Marken wie BMW. Gleichzeitig reduzieren Figuren wie Opera Bert oder Jonathan Tetelman die Oper auf körperliche Reaktionen während der Aufführung oder finanzielle Aspekte – und damit auf reine Unterhaltung und Konsumgüter.

Die Opernhäuser setzen auf Social Media zunehmend auf Lifestyle und Kommerz. Drinks, Dresscodes und Sponsoring verdrängen die künstlerischen und musikalischen Inhalte. Diese Entwicklung spiegelt einen grundlegenden Wandel wider: Wie klassische Institutionen heute um die Gunst eines modernen Publikums werben.

Quelle