Orange Bänke als Zielscheibe: Wie Antifeministen Gleichstellungsarbeit angreifen
Darko CarstenOrange Bänke als Zielscheibe: Wie Antifeministen Gleichstellungsarbeit angreifen
Orangefarbene Bänke als Symbol des Widerstands: Antifeministische Angriffe auf Gleichstellungsarbeit
In deutschen Städten sind leuchtend orangefarbene Bänke aufgestellt worden – Teil der UN-Kampagne Orange the World gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Doch statt Aufklärung zu schaffen, werden viele von ihnen zur Zielscheibe von Vandalismus. Hinter den Angriffen steht ein tiefergehender Anstieg antifeministischer Feindseligkeit, der mittlerweile Gleichstellungsbeauftragte und ihre Arbeit bedroht.
Allein in den letzten Wochen haben die Fälle von Beschädigungen an den orangen Bänken stark zugenommen. In Osnabrück, Wiesbaden und Annweiler wurden die Sitzgelegenheiten, die eigentlich Solidarität symbolisieren sollten, beschmiert oder zerstört. Die Zerstörungen spiegeln einen größeren Trend wider: eine wachsende Aggression gegenüber Initiativen für Geschlechtergerechtigkeit.
Das Ausmaß des Problems wurde auf dem Kongress der Bundesarbeitsgemeinschaft Kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragter (BAG) in Lübeck deutlich. Ein neuer Bericht zeigt, dass 63 Prozent der Gleichstellungsbeauftragten in den vergangenen zwei Jahren antifeministischen Angriffen ausgesetzt waren. Für 40 Prozent handelte es sich dabei nicht um Einzelfälle, sondern um wiederholte Belästigungen. Eine Beauftragte aus Baden-Württemberg berichtete, wie rechtsextreme Aktivist:innen nach einem öffentlichen Statement zu einem lokalen Thema vor ihrer Haustür aufgetaucht seien.
Antifeminismus, einst eine Randposition, hat sich zu einer organisierten politischen Bewegung verfestigt. Offener als je zuvor werden Frauen- und queere Rechte abgelehnt, während gleichzeitig diejenigen angegriffen werden, die sich für sie einsetzen. Die Meldestelle Antifeminismus verzeichnete allein 2024 bereits 558 Vorfälle – im Schnitt zehn pro Woche. Gleichzeitig trocknen die Mittel für Gleichstellungsprogramme aus. Kommunen kürzen die Budgets, und selbst das Bundesprogramm Demokratie leben! könnte die Förderung für geschlechtsspezifische Projekte verlieren.
Als Reaktion stellte die BAG auf dem Lübecker Kongress einen Leitfaden vor, der Strategien gegen den antifeministischen Backlash aufzeigt. Das Dokument bietet konkrete Schritte zum Schutz von Mitarbeiter:innen und zur Sicherung von Ressourcen. Angesichts eskalierender Feindseligkeit und schrumpfender finanzieller Unterstützung bleibt die Herausforderung jedoch enorm.
Die beschädigten Bänke sind ein sichtbares Zeichen des wachsenden Widerstands. Gleichstellungsbeauftragte sehen sich nicht nur mit verbalen Angriffen und Drohungen konfrontiert, sondern auch mit systematischen Kürzungen ihrer Arbeit. Ohne nachhaltige Finanzierung und politische Rückendeckung könnte ihre Fähigkeit, geschlechtsspezifische Gewalt zu bekämpfen, weiter schwinden.






