Heizungsgesetz im Umbruch: Regierung lockert strenge 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien
Der Weg zum Heizungsgesetz: Was heute in Karlsruhe auf der Agenda steht? - Heizungsgesetz im Umbruch: Regierung lockert strenge 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien
Deutschlands Heizungsgesetz stößt seit seiner Einführung auf massive Rückschläge und heftige Diskussionen. Das Gesetz, das Öl- und Gasheizungen zugunsten erneuerbarer Alternativen schrittweise abschaffen soll, war 2023 vorläufig gestoppt worden – unter anderem wegen Bedenken hinsichtlich des Gesetzgebungsverfahrens. Nun drängt die Regierung auf eine grundlegende Überarbeitung, die den Weiterbetrieb herkömmlicher Heizsysteme ermöglichen soll.
Ursprünglich sah die Regelung vor, dass neue Heizungen mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien nutzen müssen. Doch Kritik an den hohen Kosten und einer überstürzten Gesetzgebung führte zu Forderungen nach Änderungen – darunter eine Klage eines ehemaligen Abgeordneten.
Der Streit eskalierte Anfang 2024, als das aktualisierte Gebäudeenergiegesetz (GEG) die 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien in neuen Heizungsanlagen einführte. Immobilienverbände und Verbraucherschützer warnten vor unerschwinglichen Belastungen – bis zu 150.000 Euro pro Haushalt. Der Absatz neuer Heizsysteme brach 2024 um 46 Prozent ein, was die Ablehnung weiter verstärkte.
Kritiker warf der Regierung zudem vor, das Gesetz ohne ausreichende Debatte durchgepeitscht zu haben. Der ehemalige CDU-Politiker Thomas Heilmann zog vor das Bundesverfassungsgericht, was 2023 zu einem vorläufigen Stopp führte. Umweltverbände hingegen verteidigten die Maßnahme als entscheidenden Schritt zur Senkung der CO₂-Emissionen.
Bis Februar 2026 hatte sich die politische Lage gewandelt: Die aktuelle Koalitionsregierung schlug vor, die 65-Prozent-Regel komplett zu streichen. Stattdessen soll ab 2029 schrittweise auf klimafreundliche Brennstoffe umgestellt werden, um Hausbesitzern langfristige Planungssicherheit zu geben. Die rechtspopulistische AfD fordert unterdessen die vollständige Abschaffung des Gesetzes.
Der überarbeitete Entwurf erlaubt nun den Weiterbetrieb von Öl- und Gasheizungen und streicht die strenge Vorgabe für erneuerbare Energien. Befürworter argumentieren, dies entlaste Haushalte finanziell, während gleichzeitig eine schrittweise Dekarbonisierung angestrebt werde.
Die jüngsten Änderungen der Regierung markieren einen deutlichen Kurswechsel gegenüber dem ursprünglichen Heizungsgesetz. Falls verabschiedet, fallen die 65-Prozent-Vorgabe für erneuerbare Energien weg, und herkömmliche Heizsysteme dürfen weiterbetrieben werden. Die Debatte kreist nun um die Frage, wie bezahlbarer Wohnraum und Klimaziele in Einklang zu bringen sind – während die Politik in den kommenden Monaten eine endgültige Fassung des Gesetzes anstrebt.
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