Mainzer Fasching ehrt Stadtrat als "Dummen August" – Tradition trifft auf Gesellschaftskritik

Carolina Lange
Carolina Lange
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Ein Plakat für die Galway Music Excentrics mit einer Frau in der Mitte und zwei Clowns an den Seiten, beschreibender Text auf dem Plakat.Carolina Lange

Mainzer Fasching ehrt Stadtrat als "Dummen August" – Tradition trifft auf Gesellschaftskritik

Mainzer Fasching feiert erneut seine Tradition, Humor mit scharfer Gesellschaftskritik zu verbinden

In diesem Jahr ging der "Dumme August" an Martin Malcherek, einen linksgerichteten Stadtrat, der für seinen mutigen, kompromisslosen Stil bekannt ist. Die Auszeichnung fiel zudem mit dem 100-jährigen Jubiläum der "Mainzer Hofsänger" zusammen – einer Gruppe, die wie keine andere den Fasching als Plattform für Wahrheit und Kritik verkörpert.

Der "Dumme August" – ein tollpatschiger Clown, der grandios scheitert – ist seit dem 19. Jahrhundert fester Bestandteil des Mainzer Faschings. Ursprünglich als einfacher Narr konzipiert, der das Bürgertum verspottete, entwickelte sich die Figur in den 1830er-Jahren mit Charakteren wie Peter Kribben weiter. 1952 wurde Josef "Sepp" Göbel zum ersten offiziellen "Dummen August" ernannt und verkörperte fortan den naiven, aber gutmütigen Jedermann im Rosenmontagszug. In diesem Jahr erhielt Malcherek als Erster die Auszeichnung – gewürdigt für seinen Originalität, seinen Humor und seine Weigerung, sich anzupassen.

Der Verein "Rettet das Römische" lobte Malcherek dafür, unangenehme Fragen zu stellen und seinen Prinzipien treu zu bleiben. Zwar ist der "Dumme August" nicht immer beliebt, doch erfüllt er eine wichtige Funktion: Er deckt harte Wahrheiten auf – selbst auf die Gefahr hin, lächerlich zu erscheinen. Die Tradition spiegelt ein grundlegendes Faschingsethos wider, in dem Narren – ob tollpatschig oder brillant – Normen infrage stellen und zum Nachdenken anregen.

Narren haben seit jeher als Wahrheitsverkünder gedient, bereits in der Römerzeit etwa als Centunculus, ein in Flicken gekleideter Spaßmacher. Heute führt der Mainzer Fasching dieses Erbe mit scharfzüngigen Satirikern und feinsinnigen Kritikern fort. Die "Mainzer Hofsänger", die für ihre einhundert Jahre als würdevoller "Bajazzo" (weißer Clown) geehrt wurden, verkörpern diese Verbindung von Kunst und gesellschaftlicher Belehrung.

Ähnliche Bräuche gibt es in vielen deutschsprachigen Regionen: der "Narr" in Köln und Düsseldorf, die maskierten "Perchten" im schwäbisch-alemannischen Fasnet oder dörfliche Figuren wie der "Butzemann". Alle eint der Glaube, dass Humor Macht herausfordern und Wandel anstoßen kann.

Malchereks Auszeichnung unterstreicht die anhaltende Kraft des Faschings als Raum für Widerspruch und Kreativität. Die Tradition des "Dummen August" und anderer Narrenfiguren bleibt ein lebendiger Teil der Mainzer Identität. Durch Satire und Spektakel halten diese Künstler eine jahrhundertealte Praxis am Leben: das Hinterfragen, das Lehren und das Erträumen einer besseren Welt.

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