Absurde Kunst und schwebende Stühle: Le Paradoxe de John feiert Berliner Premiere

Marijan Mangold
Marijan Mangold
2 Min.
Eine Zeichnung eines Theaterauditoriums mit sitzenden Menschen, detaillierten Wandgestaltungen, einer beleuchteten Decke und dekorativem Text am unteren Rand.Marijan Mangold

Absurde Kunst und schwebende Stühle: Le Paradoxe de John feiert Berliner Premiere

Ein hölzerner Klappstuhl baumelt von der Decke des Berliner HAU-Theaters – ein markantes Zeichen für die deutsche Erstaufführung von Le Paradoxe de John. Das Stück, inszeniert von Philippe Quesne, verbindet absurden Humor mit Reflexionen über Kunst und lässt sich dabei von der Lyrik der Goncourt-Preisträgerin von 2023, Laura Vazquez, inspirieren. Nach der Uraufführung im vergangenen November in Paris feierte es am 20. Februar 2026 im HAU Premiere.

Die Produktion beginnt mit einem schlichten Mietstuhl, der über der Bühne schwebt. Unter dem Titel Der emanzipierte Zuschauer gibt er den Ton an für eine Aufführung, die die Eigenheiten der Kunstwelt mit spitzer Zunge auf die Schippe nimmt. Slapstick-Szenen und skurrile Momente entfalten sich, während Isabelle Angotti eine Galeristin spielt – oder vielleicht doch eher eine Aufseherin –, die das Publikum durch den Ausstellungsraum führt.

Drei neue Figuren betreten die Bühne: Céleste Brunnquell, Marc Susini und Veronika Vasilyeva-Rije. Ihre Rollen bleiben rätselhaft, fast wie stumme Wächter, die in den Ecken verharren. Das Stück selbst bedient sich dabei der Gedichte Vazquez', deren Worte zu einer Erzählung verwoben werden, die zugleich verspielt und geheimnisvoll wirkt.

Die Berliner Vorstellung ist Teil einer größeren Tournee, als nächste Station steht Hamburgs Kampnagel auf dem Programm. Für Quesne markiert die Inszenierung bereits seine achte Zusammenarbeit mit dem HAU – eine langjährige künstlerische Partnerschaft.

Die Premiere im HAU Berlin entführt die Zuschauer in eine Welt, in der Kunst und Absurdität aufeinandertreffen. Der schwebende Stuhl, die geisterhaften Gestalten und Vazquez' Lyrik schaffen ein Stück, das ebenso zum Nachdenken anregt wie es unterhält. Nach den Berliner Vorstellungen geht die Produktion weiter nach Hamburg und erweitert so ihre Reichweite in Deutschland.

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